„Die Waldschwestern“
Die alte Gartenhütte duckt sich neben dem schindelgedeckten Schweizerhaus in den Schatten der Hecke. Vor den weit geöffneten Schiebetüren auf einem Mäuerchen räkeln sich kompakte Bronzefiguren der schon betagten Künstlerin Anna. Sie war es auch, die Jahrzehnte lang Dinge gesammelt hat, Material für ihre Kreativität, zum Anfassen, Ausprobieren und neu Gestalten. In einem alten Schrank wohnen Schachteln mit Draht, Gitter, Geflecht, sowie Spiralaufhänger und alte Stäbe von Kalendern.
Seit gestern ist BIN mal wieder bei ihrer Künstlerfreundin Anna zu Besuch. Sie kennt die alte Dame seit vielen Jahren und schätzt ihre Fähigkeit skurrile Ideen umzusetzen. BIN ist immer offen für neue Techniken. Einträchtig sitzen die beiden an den offenen Türen, schauen ins Land über den Zürichsee und dann in die Kästen mit den verborgenen Schätzen. Bald windet sich jeweils eine Drahtschlange um den eisernen Sockel, pickst in den Finger, sträubt sich. Neuer vierkantiger Draht gibt der Figur Volumen, nun will sich ausgefranstes Drahtgeflecht dazwischen quetschen.



„Schau mal“, „ich bräuchte“, „da ist doch noch“ und „jetzt hab ich’s“ fliegen hin und her. Bald hat jede der Frauen zwei Figürchen in Arbeit. Wo bleibt die Farbe, denkt BIN. Ein grün ummanteltes Stück Elektrodraht erinnert an Wald und reicht als Farbakzent. „Schwesterchen, was machst du hier?“ erweckt die eine Drahtfigur die andere zum Leben. Sie spüren die Sonne und das ansteckende Gelächter der zwei Künstlerinnen, nehmen ihre Seelen auf.
Bald gehen zwei Waldschwestern mit BIN auf die Heimreise, behutsam eingehüllt in das kleine Reisegepäck. Der Zug schaukelt die drei gemächlich nach Osten, umsteigen, ankommen, auspacken.
Ab ins Atelier, einige Drähte sind verbogen. Also das Krönchen gerade rücken und den Rücken aufgerichtet. Verschiedene Standorte probieren die zwei Waldschwestern aus. Von oben auf dem Regal wandern sie neben die Tür und schließlich ins Schaufenster. Dort gefällt es ihnen besonders. Geschützt im hölzernen Kasten blicken sie auf die Straße, beobachten die Vorbeieilenden, die manchmal innehalten. Sie könnten ihnen einiges erzählen, doch hören die Leute das in ihrer Eile?
„Hier bin ich so wie ich bin“, scheinen die Schwestern zu sagen.

Der nächste Ateliertag findet am Sonntag, 22. März 2026, von 11-17 Uhr statt, wie immer im Atelier BIN-Art, Erding, Landshuterstr.19a. Viele kunstvolle Kleinigkeiten und größere Schätze gibt es dort zu kaufen, Geschenke für Freunde, Bekannte und Verwandte oder für sich selbst. Bitte schon mal vormerken!