Archiv für den Monat: Mai 2015

BIN unterwegs auf dem Wolfgangweg

Donnerstag, 14. Mai, Christi Himmelfahrt, „Leben“
Altötting – Burghausen – Hochburg

Nachts hat es noch gewittert, doch der Morgen ist klar. Mit dem Zug um 6:38 Uhr von Hörlkofen nach Altötting, das Auto lasse ich am Parkplatz. Gerade pünktlich gelange ich am Kapellplatz an zur Messe in der Gnadenkapelle um 8 Uhr. „Mit dem Herzen im Himmel, mit den Füssen auf der Erde“. Das ist mein Leben, Pilgern ist ein wichtiger Teil davon. Glücksgefühle durchströmen mich, dass ich wieder auf „meinem“ Weg bin.

Schwarze Madonna von Altötting

Schwarze Madonna von Altötting

So im Geiste gestärkt wandere ich durch den Öttinger Forst nach Emmerting, über die Brücke zur Kirche in Hohenwart und weiter nach Lengthal. Dort holt mich der Regen ein, der sich vorher schon durch schwere schwarze Wolken angekündigt hat. In Burghausen schlendere ich durch die Burg in die Altstadt zur Mittagspause im Gasthof Post.

Zum Aussichtsplatz auf der anderen Seite der Salzach führt ein steiler Aufstieg. Eine schnelle Zeichnung von der Burg. Auf der Hochebene geht’s über Dorfen nach Hochburg Unterweitzberg. Ein weiter Blick über Felder und Wiesen, kaum ein Baum, keine Sträucher, nur ein Trafohäuschen. Müde erreiche ich Hochburg, wo ich bei Maria eine Unterkunft finde. Danke!

Burghausen - längste Burganlage Europas

Burghausen – längste Burganlage Europas

Freitag, 15. Mai, „Liebe“
Hochburg – Gilgenberg – Hart – Pischelsdorf

Nach einem köstlichen Frühstück begleitet Maria mich bis zur Antoniuskapelle und weiter durch den Wald nach Gilgenberg, weil es im gräflichen Forst keine Wegmarkierungen gibt. Kurzer Besuch in der Kirche, gefolgt von einem Kaffee-Treffen mit Fritz im Gasthof, der mir netterweise einen Zusatz-Akku für mein Smartphone bringt. Das ist Liebe für mich.

Er nimmt mich noch ein Stück mit Richtung Handenberg. Durch Fillmannsbach und St. Georgen folge ich größeren Straßen. Dann seitab, doch weiterhin auf Teer über Großgollern, wo mir eine freundliche Bäuerin meine Wasserflasche auffüllt, weiter zur Wallfahrtskirche nach Hart. Mittägliche Brotzeit auf der Bank, ein heißer Tee im  Gasthof. Auf Anruf der Wirtin zeigt mir Messner Hr. Heinzl die Kirche, die sich als wahres Kleinod mit vielen Legenden zeigt. Die Pischelsdorfer Kirche ein paar Kilometer später ist auch offen. Meine Unterkunft finde ich ein Stück weiter in Schmidham im Gasthof Preiser. Als ich dort ankomme, beginnt es zu regnen.

Von weitem grüßt die Wallfahrtskirche von Hart

Von weitem grüßt die Wallfahrtskirche von Hart

Samstag, 16. Mai, „Freude“
Pischelsdorf – Mattighofen – Munderfing – Straßwalchen

Die kleine Straße Richtung Golfplatz ist sehr befahren. Durch den Morgennebel leuchten die ersten Sonnenstrahlen zwischen die hohen Stämme des Mischwaldes. Von Unterlochen führt ein Radweg Richtung Mattighofen. Nichts zieht mich in die Stadt und so laufe ich am Ortsrand entlang und am Freibad vorbei bis Pfaffstädt, folge einer weiteren Straße bis Munderfing. Erschöpfte Rast unter einem großen Baum und anschließende Pause im Gasthof Leitner.

Nachmittags sind viele Leute am Bach entlang unterwegs, er gluckert fröhlich neben mir. Die Vögel zwitschern und jagen Insekten über blumenreichen Wiesen. Kleine Straßen begleiten die Bahnstrecke nach Teichstätt. Nur ein kurzes Stück Feldweg schont meine Füße, sonst ist alles geteert! Schließlich erreiche ich die Pestkapelle vor Lengau. Dort überquere ich erneut die Schienen und strebe zur Kirche St. Jakob in der Ortsmitte. Irgendwie habe ich mich verrechnet in der Streckenberechnung, der Kilometerzähler meines Körpers ist abgelaufen. Doch welche Freude, ein junger Mann nimmt mich mit nach Straßwalchen, wo ich mein Zimmer im Gasthaus Lebzelter erreiche. Nach einem Besuch in der Kirche bekomme ich einen Stempel für meinen Pilgerausweis vom Pfarrer. Eine weitere Freude bereitet mir die Maiandacht in der Pfarrkirche Sankt Martin.

Durch das wildromantische Helental nach Mondsee

Durch das wildromantische Helental nach Mondsee

Sonntag, 17. Mai, „Vertrauen“
Straßwalchen – Irrsee – Mondsee

Durch eine Gasse am Schwemmbach folge ich dem Radweg nach Irrsdorf. Dort ist gerade Messe in der Kirche, also fotografiere ich nur von außen das alte hölzerne Portal mit den Figuren der Heiligen Elisabeth und Maria, jeweils mit einem kleinen Kind im Bauch dargestellt. Der Kirchenwirt sagt mir, dass der Pilger-Stempel im Feuermelder ist (?). Bei dem Versuch ihn dort wieder unterzubringen stemple ich mich grün ;-).

Weiter auf dem Radweg nach Oberhofen, auch dort komme ich während der Messe an. Doch der Stempel wird auch hier im Vorraum aufbewahrt. Einige Minuten lausche ich den Worten des Pfarrers, dann nicke ich dem alten Mann hinter mir zu. Er lächelt zurück, verstehender Blick auf meinen Rucksack, dass ich weiter muss.

Hügelauf und Hügelab zur Hubertuskapelle, dann ein weiter Blick über das Irrsee-Moor und die regenverhangenen Berge. Es beginnt zu tröpfeln. Regenhose und Poncho raus. Der Dorferwirt hat offen, ungefähr auf halber Strecke den Irrsee entlang. Kaffee und Apfelstrudel sind ein Traum.

Immer auf Teerstraßen über die Hügel bis zum Ende des Sees und über den Fohlenhof zur Erlachmühle. Endlich wieder weicher Untergrund für die geschundenen Füße. Das traumhafte Helenental mündet fast im Zentrum von Mondsee. In der Basilika Sankt Michael finde ich in der Mariengrotte Ruhe vor den Touristenströmen, die Mondsee bevölkern. Im Café gegenüber stärken mich Kuchen und ein heißer Tee.

Voll Vertrauen, dass ich auch das letzte Stück noch schaffe, marschiere ich weiter zum See und nach Schwarzindien, wo das Gästehaus Haas liegt. Die Wirtin hat sogar ein Zimmer mit Balkon zum See für mich!! Als ich nach irgendetwas zum Essen frage, bietet der Mann mir einen Rest Rinderbraten mit Kartoffeln an. Hat super geschmeckt. Ich hatte Vertrauen, dass irgendwie für mich gesorgt wird.

Basilika St. Michael in Mondsee

Basilika St. Michael in Mondsee

Montag, 18. Mai, „Friede“
Mondsee – Sankt Lorenz – Falkenstein – Sankt Wolfgang

„Der Zufall ist das Pseudonym, das der Liebe Gott wählt, wenn er inkognito bleiben will“, steht auf einem Schild im Frühstücksraum. Wie wahr.

St. Lorenz ist als ganz alter Kraftort bekannt: Die alte Linde direkt vor der Kirche ist stark zugestutzt, gibt mir aber Energie, als ich meine Hände an ihre rissige Rinde lege. Birgits geliebte Drachenwand ragt steil vor mir auf. An der Straße leitet der Radweg entlang dem Mondsee von Plomberg bis Scharfling.

Erinnerungen an meine Kindheit tauchen auf, als wir mit unseren Eltern Ausflüge hier in der Gegend, meiner zweiten Heimat, gemacht haben. An Bergwanderungen, Abenteuer im Bachbett, Brotzeit beim Bauern, Skifahren und Schwimmen. Zum Scharfling Pass geht’s auf der ganz steilen alten Straße, auf halber Höhe eine Kapelle mit Ägidius und Wolfgang. “Friede heißt zu den Entscheidungen stehen”, taucht als Erkenntnis beim langsamen bergan Gehen in mir auf. Kurz von der Passhöhe und dem Einmünden in die neue Straße senkt sich der Verkehrslärm wie eine Haube über mich.

An der Straße entlang zum Krottensee und Batzenhäusl. Laster donnern an mir vorbei, Büßerstrecke. Erst um viertel nach elf am Kloster Gut Aich, zu spät für die Pforte und den Laden, außerdem gibt es dort kein Wirtshaus mehr. Dafür eine Pause in der wunderschönen Klosterkapelle. Friede stellt sich ein und gibt mir Kraft.

Nun folge ich dem Radweg durch den Wald nach Fürberg am See. Im Gastgarten ein Suppentopf mit Nudeln und Rindfleisch. Stärkung für den Anstieg zum Falkenstein.

Steil, steil, steil. Heute brennt die Sonne, heiß. Zwei E-Biker müssen auch schieben. Mit einer jungen Studentin komme ich ins Gespräch, die den Weg gut kennt. Eine Begegnung wie ich sie vom Jakobsweg her kenne. Sie zeigt mir die Rituale: Stein ablegen, Falkensteinkapelle mit Felsdurchschlupf und Glocke dreimal schlagen lassen. Weitere Kapellen für Augenwaschen, Steine drehen, die Hackelwurf-Stelle des Heiligen Wolfgang und Aussichtspunkte. Steilsteil wieder runter. Meine Knie jaulen. Abschied von Eva und ihrer Mutter, denn den Rest der Strecke möchte ich alleine pilgern. Ganz langsam von Ried nach Sankt Wolfgang zur Kirche. Geschafft. Auch hier werden auf zahlreichen Votivtafeln mit anschaulichen Bildern die Legenden von Sankt Wolfgang berichtet.

Haus Raudaschl in der Au wird von einer alten Frau betrieben, die noch drei top Zimmer vermietet. Sehr gepflegt, freundlich und auf dem neuesten Stand. Sie empfiehlt mir ein Abendessen beim Zimmerbräu, das mein krönender Abschluss wird. Meinen Ankunftsstempel hole ich bei strömendem Regen in der freundlichen Touristen-Information. Abends kann ich in Ruhe auf dem geschützten Balkon zeichnen.

Ich BIN auf dem Wolfgangweg gewesen.

St. Wolfgang am Wolfgangsee

St. Wolfgang am Wolfgangsee